Bamberg, 05.06.07 - Aus den Fugen geraten ist häufig der Alltag bei Menschen mit psychischer Erkrankung. Um ihn wieder strukturiert zu gestalten und mit Lebensqualität zu füllen, benötigen psychisch Kranke Unterstützung und Begleitung.
Diesen Beistand bieten psychiatrische Fachpflegekräfte, die vorwiegend "aufsuchend" arbeiten - die also auch Hausbesuche machen. Ihr Arbeitsplatz ist bisher noch überwiegend in den Institutsambulanzen der Psychiatrischen Kliniken angesiedelt, in denen ein multiprofessionelles Team, meist bestehend aus Ärzten, Psychologen, Pflegekräften, Ergotherapeuten und Sozialpädagogen zur Verfügung steht. Der im Jahr 2000 gegründete Arbeitskreis für psychiatrische Fachpflegekräfte aus den Institutsambulanzen der Psychiatrischen Kliniken in Bamberg, Lohr, Aschaffenburg, Bayreuth, Rehau, Kutzenberg und Werneck, traf sich zu der jährlich stattfindenden Fortbildung in diesem Jahr in Bamberg. Als Gastgeber fungierte das Klinikum am Michelsberg. Ein Blick auf die vergleichende Statistik der einzelnen Institutsambulanzen untermauerte, was die Pflegenden aus ihrer täglichen Arbeit berichteten: Der Bedarf an ambulanter psychiatrischer Pflege steigt, eine flächendeckende Versorgung ist bisher nicht möglich. Dies bestätigte auch Volker Haßlinger, Fachkrankenpfleger für Psychiatrie und Mitglied im Vorstand der Bundesinitiative ambulante psychiatrische Pflege (BAPP). Seinen Ausführungen zufolge handelt es sich bei der ambulanten psychiatrischen Pflege um ein gemeindeorientiertes Versorgungsangebot, das dazu beiträgt, psychisch kranken Menschen ein würdiges, eigenständiges Leben in ihrem gewohnten Lebenszusammenhang zu ermöglichen. Die Pflege vor Ort gewährleiste die soziale Integration unter Einbeziehung der Angehörigen, für die die professionelle Hilfe nicht zuletzt eine Entlastung bedeute. Darüber hinaus sei die ambulante psychiatrische Pflege geeignet, Klinikaufenthalte zu verkürzen oder gar zu vermeiden. Mit ihren flexiblen, aufsuchenden Angeboten beuge sie Behandlungsabbrüchen vor und diene als Verbindungsglied zwischen Ärzten, Klinik, Beratungs- und Betreuungsstellen und anderen psychosozialen Diensten. "Innerhalb der Deutschen Gesundheitspolitik heißt das Motto schon lange "ambulant vor stationär", sagte Haßlinger. Das Angebot an psychiatrischer Pflege sei aber dafür nicht ausreichend. Dagegen gäbe es in anderen europäischen Ländern, den USA und Australien bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen seit langem eine Entwicklung weg von großen Zentralkrankenhäusern hin zu kleineren Behandlungseinheiten und zu ambulanter Behandlung. In einigen europäischen Ländern sei etwa die ambulante psychiatrische Pflege ein wichtiger Teil der Gemeindepsychiatrie. Anders in Deutschland, wo nur vereinzelt psychiatrische Pflegedienste existierten. Speziell in Bayern gibt es die aufsuchende psychiatrische Pflege vorerst weiter nur innerhalb der Institutsambulanzen der Psychiatrischen Kliniken. Über deren Effizienz waren sich die Teilnehmer der Veranstaltung am Ende einig: Sie leiste einen herausragenden Beitrag in der Versorgung psychisch Kranker zu Hause, in Wohngemeinschaften und in Heimen.
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