Die Spinalanästhesie und die Periduralanästhesie gehören zu den sogenannten rückenmarknahen Anästhesien. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Tatsache, dass die Betäubungsmittel in bestimmte Räume des Wirbelkanals injiziert werden und sie ihre Wirkungen an den Nervenwurzeln des Rückenmarkes entfalten.
Anatomie Die Wirbelsäule wird aus sieben Hals-, zwölf Brust- und fünf Lendenwirbel sowie dem Kreuzbein gebildet. Durch die knöcherne Wirbelsäule zieht der Wirbelkanal als langer Hohlraum. In der Mitte des Wirbelkanals befindet sich das Rückenmark etwa bis zum 12. Brust- bzw. 1. Lendenwirbel, aus dem jeweils auf Höhe eines Wirbels Nervenwurzeln entspringen. Die Nervenwurzeln vereinigen jeweils links und rechts zu den sogenannten Spinalnerven, die durch Kanäle die Wirbelsäule verlassen und zu den Extremitäten und Organen ziehen. Das Rückenmark und seine Nervenwurzeln werden von Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) umflossen. Rückenmark und Liquor wierderum sind von der harten Hirnhaut (Dura) umgeben. Außerhalb der Dura befindet sich der Periduralraum (peridural = um die Dura herum), der mit Blutgefässen und Fettgewebe gefüllt ist.
Spinalanästhesie Bei der Spinalanästhesie (SPA) wird zwischen zwei Lendenwirbeln (meist 3./4.) der oben beschriebene, mit Liquor gefüllte Raum (Spinalraum) punktiert und ein Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) eingespritzt.
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Die hierfür verwendete Nadel ist extrem dünn (Bild links, zur Vergrößerung auf das Bild klicken).
Um uns die Punktion zu erleichtern, sollten sie einen möglichst runden Rücken machen.
Durch diesen "Katzenbuckel" klappen die Wirbelkörper auf und der Zwischenraum wird größer. |
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| Da das Lokalanästhetikum direkt an den Nervenwurzel angreifen kann, entwickelt sich die SPA sehr schnell. Dies ist erkennbar an einem Wärmegefühl, das an den Füßen beginnt und die Beine entlang hochsteigt. Nach einigen Minuten ist die Spinalanästhesie "fixiert", d.h. die Stärke und Ausdehnung der Betäubung ist vollständig ausgeprägt und ändert zunächst nicht mehr. Je nach verwendeten Lokalanästhetikum beginnt die SPA nach 2-3 Stunden in umgekehrter Reihenfolge wieder abzuklingen. Die Spinalanästhesie schaltet das Schmerzempfinden in der gesamten unteren Körperhälfte (Bild am Ende des Textes) vollständig aus, die Muskeln sind erschlafft. Da sich auch die Blutgefäße in den Beines schnell erweitern, kann es zu einem Absinken des Blutdruckes kommt. Dem läßt sich aber meist problemlos durch Infusionen oder spezielle Medikamente entgegenwirken. Die SPA ist gut geeignet für Operationen unterhalb des Nabels, wie z.B. Eingriffe am Knie oder Sprunggelenk, urologische Operationen ("Abhobeln der Prostata") und Kaiserschnitte. Periduralanästhesie
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Bei der Periduralanästhesie (PDA) wird eine spezielle Hohlnadel (Bild links, zur Vergrößerung auf das Bild klicken) bis in den Periduralraum vorgeführt ohne Punktion der Dura.
Auch hier erleichtert uns ein "Katzenbuckel" das Vorgehen.
Über die Nadel wird entweder nur einmalig das Lokalanästhetikum gespritzt (single shot) oder ein dünner Schlauch für mehrmalige bzw. kontinuierliche Medikamentengabe eingebracht (Kathetertechnik). |
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| Das injizierte Betäubungmittel muß die Dura durchdringen, bevor es seine Wirkung an den Nervenwurzeln entfalten kann. Deshalb entwickelt sich eine PDA deutlich langsamer als eine Spinalanästhesie. Die Kreislaufwirkungen sind aus diesem Grunde geringer ausgeprägt. Die Periduralanästhesie erzeugt eine gürtelförmige Betäubung ober- und unterhalb der Einstichstelle (Bild am Ende des Textes). Die Ausbreitung nach oben und unten ist abhängig von der Menge des injizierten Betäubungsmittels. Die erzeugte Anästhesiequalität (Schmerzdämpfung >> vollständige Schmerzausschaltung >> Erschlaffung der Muskeln) wird durch die Konzentration des verwendeten Betäubungsmittel beeinflusst. Eine PDA kann an der Brust- und Lendenwirbelsäule angelegt werden. Durch Variation dieser Parameter (Höhe der Einstichstelle, Konzentration und Menge des Lokalanästhetikums) können wir die PDA flexibel an Ihre Bedürfnisse und die Operation anpassen. Besonders gut eignet sich die Periduralanästhesie zur Geburtserleichterung und zur Schmerztherapie nach großen Eingriffen. KomplikationenKopfschmerzen
Die Punktion der harten Hirnhaut (Dura) bei der Spinalanästhesie hinterläßt eine kleines Loch in der Dura. Durch dieses Loch kann Nervenwasser (Liquor) in den Periduralraum abfliesen. Wird der Liquorverlust zu groß, können dadurch Kopfschmerzen entstehen. Man spricht vom Liquor-Verlust-Syndrom. Durch die Verwendung extrem dünner Spinalnadeln (die auch nur ein sehr kleines Loch hinterlassen) sind diese Kopfschmerzen jedoch zur Rarität geworden. Anders stellt sich die Situation dar, wenn bei Anlage einer Periduralanästhesie die Dura versehentlich punktiert wurde. Die Kanüle muß bei einer PDA einen größeren Durchmesser haben, damit der Periduralkatheter hindurch paßt. Der Periduralraum selbst ist nur wenige Milimeter tief. Dies ist der Grund, warum wir bei der Anlage einer Periduralanästhesie das "Stillsitzen" so besonders betonen.
Die Kopfschmerzen lassen sich meist einfach behandeln, durch körperliche Schonung (viel liegen), ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Schmerzmittel. In hartnäckigen Fällen kann ein sog. autologer Blutpatch angelegt werden. Dabei wird Blut einer Vene entnommen und an der ehemaligen Punktionstelle wieder in den Periduralraum gespritzt, um so eine Verklebung des Duraloches zu erreichen.
Blutung oder Abszeß im Periduralraum
Blutungen oder Abszeße im Periduralraum können ab einer bestimmen Größe Druck auf Rückenmark und Nervenwurzeln ausüben. Wird die Blutung oder der Abszeß nicht innerhalb weniger Stunden durch eine Operation entlastet, können bleibende Lähmungen (bis zur Querschnittslähmung) resultieren. Unter normalen Bedingungen ist dies extrem selten. Eine erhöhte Gefahr besteht jedoch, wenn die Blutgerinnung beeinträchtigt ist. Nennen sie deshalb unbedingt alle Medikamente, die Sie eingenommen haben. Bestimmte Schmerzmittel (z.B. Aspirin) beeinflussen die Funktion der Blutplättchen, die für eine intakte Blutgerinnung nötig sind. In diesen Fällen können wir keine rückenmarknahe Anästhesie durchführen. Abszeße entwickeln sich u.U. sehr langsam, in Ausnahmefällen innerhalb von Wochen. Zu diesen Zeitpunkt haben sie das Krankenhaus in der Regel verlassen. Sollten sich Auffälligkeiten zeigen, wie eine Lähmung der Beine, nehmen Sie bitte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch und weisen Sie auf die vorgegangene Spinal- oder Periduralanästhesie hin.
Anästhesieausbreitung (grün eingezeichnet)
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bei einer Spinalanästhesie |
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bei einer Periduralanästhesie |
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